You need to upgrade your Flash Player
SCHEME
   
MusikerInnen bei Spotting

» weiterlesen
DESIGN BY FLO

HÖRBAR ABSTRAKT
HÖRBAR ABSTRAKT
Freitag, 09.06.2006, Uhr 20:30
20:30
radio helsinki, 92,6 MHz + online: www.hoerbar.abstrakt.at

MP3: http://abstrakt.mur.at/HoA-20060609.mp3

Atmosphäre / Stratosphäre
*Atmosphärisch* wäre wohl der geeignetste Begriff, unter dem man die Musik der drei Künstler zusammenfassen könnte, die wir in der ersten Stunde der aktuellen Sendung porträitieren: Da wäre zum einen der Drummer/ Elektroniker Peter Schwalm, der durch seine bahnbrechenden Kollaborationen mit Brian Eno bekannt wurde; vor wenigen Tagen hat er unter dem Titel *Musikain* eine neue CD herausgebracht. Mit einer wahren Horde an Kollaborateuren (auch Eno ist wieder dabei) kreierte Schwalm dabei etwas, daß sich ganz vage mit dem Begriff *Space Jazz*, besser jedoch einfach mit *Space*- im Sinne von Raum definieren liesse. Der norwegische Trompeter Nils Petter Molvaer, lange Zeit die letzte Speerspitze des *nordischen* ECM- Sounds, hat vor einiger Zeit das Label gewechselt und auch ein bißchen seinen Stil verändert. Wo früher die unvermeidlichen Drum & Bass- Beats eine großen Teil von Molvaers Sound- Raum einnahmen, herrscht nun leise Akustik, von Atemgeräuschen statt klaren Trompeten- Tönen bis zu gigantischen Hallräumen, die fast aus kompletter Stille erwachsen. Molvaer hat dem elektronischen Begleitinstrumentarium früherer Releases aber nicht abgeschworen, im Gegenteil: für seine 2005 erschienene, bis dato letzte CD *ER* verpflichtete er junge, norwegische Elektronikmusiker, die ihm mit den Softwaretools *Reaktor* und *Ableton Live* eine frische, ungewöhnliche Umgebung für seine Soli boten.
Und nach sieben Jahren ließ sich der legendäre Urvater des ambienten Jazz/ World- Sounds endlich wieder mal überreden, ein Album einzuspielen: Jon Hassell brachte 2005 mit *Maarifa Street- Magic Realism 2* nicht nur endlich wieder mal einen vielschichtigen, hochsensiblen Release der Spitzenklasse hervor, sondern überraschte auch mit Anklängen an den elektrischen Miles Davis der 70er- Jahre des vorigen Jahrhunderts; allerdings erinnert seine aktuelle CD nicht wie so vieles derzeit an *Bitches Brew*, sondern ist stilistisch eher dem Vorgängeralbum *In A Silent Way* verbunden. Jon Hassell ist übrigens mit seinem 1986er- Release *Powerspot* das Thema der zweiten Ausgabe unserer *100 Meisterwerke*
In der zweiten Stunde dann wird es wild, und außerdem hochemotional: Wir zeichnen den biographischen und musikalischen Weg des Saxophonisten Albert Ayler nach. Ayler, dessen exaltierter Tenor- Sound wohl eher stratosphärisch als atmosphärisch war, spielte immer, als ginge es um sein Leben. Und irgendiwe stimmte das ja auch, denn 1970 zog man die Leiche des unter mysteriösen Umständen Verstorbenen aus dem Wasser des New Yorker East River. Aylers Musik hatte auch mit Jazz, der lose den Bezugsrahmen seiner Bands und Auftritte bildete, kaum was zu tun: Seine Musik verbindet zum einen die überemotionale Songhaftigkeit des amerikanischen Volksliedes mit andererseits brutaler, überschwenglich überblasener Klangraserei.
Hörbar Abstrakt, am 09.06. 2006 von 20.30 - 22.30 Uhr auf den Grazer Frequenzen von Radio Helsinki 92,6 MHz oder im Internet via Stream unter www.hoerbar.abstrakt.at. Eine Wiederholung der Sendung könnt ihr jeden Mittwoch ab 0.00 auf Radio Helsinki hören.